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Die Radtour von Taufkirchen über Heilbronn nach Wiesbaden. 900km in 4 Fahrtagen |
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| Ziel | unsere Tante besuchen in Heilbronn
und Freunde in Wiesbaden, Schaffen wir die Strecke nach Heilbronn in einem Tag? |
| Wann | Samstag 9.6. - Montag 18.6.1990 |
| Beteiligte | Matthias Weisser, Markus Weisser, Michael Leistner |
| Strecke | Taufkirchen -> Heilbronn: 278km Heilbronn -> Wiesbaden: 172km (900km in 4 Fahrtagen über Nebenstraßen) |
| Orte | Taufkirchen, Großhesselohe,
Solln, Forstenried, Neuried, Planegg, Krailling, Germering, Puchheim, Fürstenfeldbruck,
Mammendorf, Hattenhofen, Mittelstetten, Tegernbach, Ried, Bachern, Otmaring,
Rederzhausen, Friedberg, Augsburg, Hirblingen, Batzenhofen, Rettenbergen,
Bonstetten, Kruichen, Welden, Zusamzell, Fultenbach, Ellerbach, Holzheim,
Weisingen, Lauingen, Veitriedhausen, Haunsheim, Oberbechingen, Bachhagl,
Landshausen, Staufen, Oggenhausen, Heidenheim Schnaitheim, Zang, Schafhof,
Bartolomä, Heubach, Buch, Zimmern, Iggingen, Hochsträß,
Brainkofen, Täferrot, Ruppertshofen, Hönig, Birkenlohe, Gschwend,
Pritschenhof, Murrhardt, Harbach, Bartenbach, Sulzbach, Lautern, Siebersbach,
Spiegelberg, Lautertal, Buchenbach, Neulautern, Altlautern, Löwenstein,
Untergruppenbach, Heilbronn. Neckargartach, Neckarau, Obereisesheim, Wimpfen, Bad Wimpfen, Hohenstadt, Zimmerhof, Siegelsbach, Hüffenhardt, Asbach, Daudenzell, Aglasterhausen, Unterschwarzach, Oberschwarzach, Schwanheim, Schönbrunn, Hirschhorn, Langenthal, Heddesbach, Schönmattenwag, Straßburg, Wald-Michelbach, Kreidach, Seckenrain, Weiher, Mörlenbach, Bonsweiher, Erbach, Juhöhe, Heppenheim, Einhausen, Großhausen, Groß-Rohrheim, Gernsheim, Rheinfähre, Eich, Gimbsheim, Guntersblum, Ludwigshöhe, Dienheim, Oppenheim, Nierstein, Nackenheim, Bodenheim, Laubenheim, Weisenau, Amöneburg, Rheinbrücke nach Mainz-Kastel, Wiesbaden-Biebrich und eine ähnliche Strecke zurück |
| Räder | Rennräder 12-Gang: vorne 42/52 hinten 15/16/17/19/22/26 mit Flaschenhalter und Radschloß |
| Lenkertasche mit Kartenfach | Kartenausschnitte mit eingezeichneter
Fahrtroute, Radtricotoberteil, Unterhose, Unterhemd, Socken, lange dünne
Hose + Hemd + Gürtel/Hosenträger (für Übernachtungsort,
Ausgang zum Essen), kurze leichte Hose, leichte Schuhe, Batterierasierer,
Seife, Zahnzeug, Kamm, Salbe, Pflaster, Klopapier, Lippenpflegestift,
Aufziehwecker, Regenumhang in separater Tüte Ersatzspeichen in den benötigten Längen, 2 Packungen Studentenfutter im hinteren Fach, Salztabletten, Vitamintabletten/Calcium für die Trinkflasche, Ersatzfilm, Bleistift, Block |
| Werkzeugtasche | Putzlappen (besser als Unterhemd !), Öler in Tüte, Rolle Isolierband, Speichenschlüssel, Schraubenzieher, Imbusschlüssel, Taschenmesser, Ersatzmantel, -schlauch, Flickzeug, Reifenhebel, Pumpe, Kettenöffner |
| angezogen | Radtricot kurz Wolle, Zusatzärmel, 4-18 Müsliriegel/Tag (evtl nachkaufen), 2. Hose umgebunden (kein Platz in Lenkertasche), 1-2 Paar Socken, Radschuhe Radhandschuhe offen, leichter Fotoapparat, Uhr, Brustbeutel mit Geld, Führerschein, Personalausweis, Telefonkarte. |
| vorgeschickte Pakete | Schuhe, Socken, Unterhose, Unterhemd, Hemd, Pullover, Cordhose lang, Badehose, Duschgel, Handtuch, Öl |
| Erfahrungen | Sattel richtig einstellen. Schon
geringe Abweichungen gegenüber dem normalen Trainingssrad können
sich auf längeren Touren stark bemerkbar machen. Öl mitnehmen zum Kettenschmieren nach längeren Regenstrecken. Auf jeden Fall Ersatzmantel, -schlauch und Speichenschlüssel mitführen. Gute ausgewogene Übersetzung von 15-26 Zähnen (z.B. 15/16/17/19/22/26). Schutzblech möglichst nah aber nicht zu nah montieren (Testfahrt !). Schrauben gut anziehen, evtl. Sicherungslack verwenden. Lenkertaschenbügel am Rad waagerecht biegen, damit die Tasche nicht bei allen Erschütterungen herausrutscht. Evtl. Bügel mit Tesafilm am Vorbau sichern (dann evtl. keine Abspannbänder notwendig, die sich ohnehin nicht besonders bewähren). |
| Finanzielles | ca. 120.- DM für Bananen, Schokolade, Müsliriegel, Vitamintabletten, Nudeln, Spargel, Schinken, Eintrittskarten, Blumen, Postkarten, Fahrkarten Frankfurt, Mantel, Flickzeug, Handschuhe, Lenkerband, Öl |
| Aufgeschrieben | im Mai 2000 aus den Notizen von 1990 © 2000 Matthias Weisser |
Die Heilbronn-Wiesbaden-Tour:
Juni 1990
Nach der ersten Heilbronn-Tour vom Vorjahr wollten wir dieses Jahr noch eins
draufsetzen. Von Heilbronn aus wollten wir die Krochmeyers in Wiesbaden besuchen.
Von der Burgeis-Tour wußten wir daß wir 230km in einem Tag schaffen
konnten. Ob es auch nach Heilbronn in einem Tag klappen könnte? Bereits
im April hatten wir die kürzestmögliche Strecke in die Karte eingezeichnet.
Im Interesse des schnellen Vorwärtskommens wollen wir diesmal nicht mehr
jede Steigung wie im letzten Jahr mitnehmen.
Fahrerbesprechung:
Am 4. Juni saßen wir mit Michi, unserem dritten Mann zur Fahrerbesprechung
zusammen. Anstelle der großen Packtaschen der letzten Heilbronntour entschieden
wir uns diesmal für eine kleine Lenkertasche. Nur das allernotwendigste
Gepäck würden wir also auf dem Renner mitnehmen und natürlich
das notwendigste Werkzeug, Ersatzschlauch und -Mantel, Ersatzspeichen und Kettennieter.
Um in Heilbronn und Wiesbaden etwas Vernünftiges zum Anziehen zu haben
schickten wir je ein Paket vorab an die jeweilige Adresse. Vor allem lange Hosen,
Schuhe und Jacke sparten wir uns so mitzunehmen.
Neues Rad:
Von Cicli-B hatten wir uns kurzfristig einen neuen Rahmen und eine Menge Anbauteile
schicken lassen. Bis 5:00 morgens wurde eifrig gearbeitet im Radlkeller, bis
wir das Rad fahrfertig zusammenhatten. Anstelle der untauglichen Steckschutzbleche
hatten wir diesmal eine feste Ausführung gewählt. Leider war der hintere
Steg am Rahmen so weit unten angeschweißt, daß das Schutzblech nicht
mehr dazwischen paßte. Etwas seltsam sah es schon aus, weil ich es nun
darüber angebracht hatte. Was blieb anderes übrig?
Lenkertasche gepackt:
Am 8.6. wurde die Lenkertasche gepackt, denn am nächsten Tag hieß
es Abfahrt. In der Tasche war unter anderem eine lange Hose und ein paar Schuhe
für eine eventuelle Übernachtung. Michi bekam sogar seine Espandrillos
rein. Um 6:30 starteten wir in Richtung Fürstenfeldbruck. Etwas durchwachsen
ist das Wetter. Michi hat eine Haube auf. Hinten im Tricot stecken 2 Bananen
und eine Menge Müsliriegel.
Durch den Perlacher Forst:
Die schnellste Route ist die durch den Perlacher Forst, leider eine ziemliche
Rütteltour. 6 Kilometer weiter, an der Großhesseloher Brücke
sind die Schrauben am Schutzblech bereits locker. Mit dem Taschenmesser ziehe
ich sie nach.
Mehr Spaß ohne Helm:
Über die Brücke nach Solln und weiter nach Forstenried, Neuried, Planegg,
Krailling und Germering. Ohne Helm macht die Tour einfach mehr Spaß. Den
Fahrtwind spüren, keinerlei Wärmestau, das Gefühl der Freiheit
intensiver wahrnehmen.
Ärger mit der Lenkertasche:
Lästig ist, daß sich die neue Lenkertasche bei jeder Bodenunebenheit
aushängt. Eigentlich kein Wunder, denn der Einhängebügel zeigt
etwas nach unten. Die Abspannbänder helfen dagegen gar nicht. Bei Markus
rattert ein Kettenglied hinten an der Schaltung. 12 Gänge haben wir dabei
mit unserer Shimano 600-Rasterschaltung. Michi verwendet das teuere Dura-Ace-System
mit gleich 8 Zahnscheiben. Dafür hat er eine schmälere Kette. Überall
kleben Schnecken am Fahrrad. Teilweise enden die Radwege etwas unerwartet im
Nichts. So geschehen nach einer Tankstelle. Vielleicht kommt sogar die Sonne
raus.
Bäcker in Fürstenfeldbruck:
Über Puchheim erreichen wir Fürstenfeldbruck. 7:50 zeigt die Uhr als
wir kurz Halt machen bei dem Bäcker auf der rechten Straßenseite.
Endlich Zeit den Sattel zu verstellen. 35 km haben wir erst zurückgelegt.
Mit einem Stundenmittel von 23.5km/h sind wir nicht gerade die Schnellsten.
Mammendorf, Hattenhofen, Mittelstetten, Tegernbach, Ried, Bachern, Otmaring.
Kilometer um Kilometer arbeiten wir uns vorwärts. Kurz nach 9 stehen wir
in Rederzhausen vor der Bank. Noch scheint die Sonne nicht.
Schnell durch Augsburg:
In Friedberg verfahren wir uns ein wenig bei der Ortsdurchfahrt. 5 km weiter
sind wir in Augsburg Lechhausen. Links der Straße ist ein Radweg. Zu spät
sind wir links abgebogen, erwischen aber eine schnelle Strecke durch das morgendliche
Augsburg. Hammerschmiede, Lechfeldmühle, Hirblingen, Batzenhofen, Rettenbergen.
Das letzte Stück Strecke ist für Fahrräder nicht unbedingt zu
empfehlen. Endet der gute Asphaltweg doch plötzlich im Schotter. Jede Menge
Schlaglöcher gibt es auf der wilden Strecke durch den Wald. Durch das fortwährende
Auf und Ab der unbefestigten Piste lockern sich wieder einmal die Schutzblechbefestigungsschrauben.
Die Lenkertasche hängt sich am Bügel aus und fällt fast auf die
Straße. Ganze 6 Kilometer kämpfen wir uns durch den Wald. Markus
verliert sogar seine Möhre.
Pause vor Bonstetten:
Am Ende der Schotterstrecke brauchen wir erst mal eine Pause. 10:30 ist es jetzt,
wir stehen kurz vor Bonstetten. Die Knochen tun zwar weh, die Sonne jedoch scheint.
Wir sind guter Dinge. Unsere Abschätzung ergibt, daß wir es schaffen
könnten bis Heilbronn an diesem Tag. 96 Kilometer haben wir bereits hinter
uns, knapp 25km/h beträgt der Schnitt. Michi füllt seine Flasche wieder
auf. Den Vorratsbehälter schleppt er auf dem Rad mit. Bei Bonstetten weichen
wir von unserer Kartenroute ab und erwischen den Weg über Kruichen. Welden,
Zusammzell, Fultenbach, Ellerbach, Holzheim. Hinter Weisingen kommt das endlos
lange ebene Stück bis Lauingen. Vorbei an der Schotteranlage.
Pause in Lauingen:
Endlich sind wir da. Bei der Turnhalle legen wir eine gute halbe Stunde Pause
ein. Der Supermarkt nebenan hat noch offen. Müsliriegel hat er nicht, dafür
Schokolade, Erdnußflips und 4 Bananen. Das Wasser am Brunnen ist kein
Trinkwasser. Trotzdem füllt Michi seine Flasche auf. Meine Knie schmerzen
schrecklich. Irgendwas am Rad stimmt nicht. Endlich ist Zeit den lockeren Sattel
wieder festzuschrauben.
Straßenbauarbeiten bei Bachhagl:
Und weiter geht die Schinderei über Veitriedhausen, Hausheim, Oberbechingen,
Bachhagl. Hier geht es erstmal nicht so weiter wie wir das wollten. Wegen Straßenbauarbeiten
ist die Straße nicht befahrbar. Nur der blanke Kies auf voller Breite.
Also müssen wir einen kleinen Umweg fahren. Landshausen, Staufen. Auf dem
abgefrästen Fahrbahnstreifen rechts ist schlecht zu fahren. Vorbei an Oggenhausen.
Letztes Jahr sah das hier noch völlig anders aus. Nun gibt es einen breit
ausgebauten Autobahnzubringer.
Regen hinter Oggenhausen:
Plötzlich fängt es stärker an zu regnen. Michi zieht seinen Regenoberteil
über. Die gut ausgebaute Straße flott hinunter und den kleineren
Weg rechts hinein. Da vorne ist Heidenheim Schnaitheim. Über die Ampel
und dann den ausgeschilderten Spezialweg nach Zang für Radler. Zunächst
über die kleine Fußgängerbrücke, dann der Bahnübergang.
Steil geht es hinauf 1-2km lang. Oben wird es flacher, biegt vorne rechts ab
parallel zur Straße.
Nur noch 90km bis Heilbronn:
Bald ist Zang erreicht. Das gröbste liegt jetzt hinter uns. Zeit für
eine Rast bei dem Gasthaus mit dem großen Teich davor. Ich habe ziemliche
Probleme mit meinen Beinen. Ob es an dem runden Kettenblatt liegt, das ich heute
fahre? Sonst bin ich oval gewöhnt. 14:35 ist es jetzt. 169 km liegen hinter
uns, nur noch etwa 90 km werden es bis Heilbronn sein. Der Schnitt von 24.4km/h
ist zwar nicht berühmt. Trotzdem müßte es in 5 Stunden zu schaffen
sein. Weg mit der langen Hose.
Gefälle vor Heubach:
Schafhof, Bartolomä, den leichten Anstieg hinauf und die kurvige Gefällestrecke
hinunter vor Heubach. Besser nicht zu schnell werden, Vorsicht ist die Mutter
der Porzellankiste. Ich kann mich noch gut erinnern wie ich hier im Vorjahr
fast aus der Kurve geflogen wäre, als das Hinterrad beim Bremsen blockierte.
Unten kommt die berühmte Kurve. Danach geht es noch ein ganzes Stück
weit flacher hinunter. Durch den Ort, hinter Heubach weiter bis Buch und dann
rechts Richtung Zimmern.
Hinunter nach Zimmern:
Bloß wo? In der Realität sieht es so anders aus als auf der Karte.
Erst 2 km später in Bargau wissen wir daß wir dort sicher verkehrt
sind. Also wieder zurück zum Ortsende von Buch. Über eine betonierte
Holperpiste geht es den Hügel hinauf. Recht unklar ist die Streckenführung,
auch Schilder gibt es leider nicht. Links unten im Tal muß Zimmern liegen.
Mit viel Gefühl finden wir den Weg. Unten durch den Ort, hinten hinaus,
geradeaus durch die Mühle.
Hinauf nach Iggingen:
Oben an der Hauptstraße den Abzweig hinauf nach Iggingen. 2 km später
sind wir oben. Weiter geht es über Hochsträß nach Brainkofen.
Von hier oben gibt es einen grandiosen Blick zurück auf das Tal. 199 km
zeigt der Tachometer. Am Schnitt hat sich nicht viel getan. 24.2 km/h. 16:25
ist es mittlerweile. Einige Steigungen liegen noch vor uns. Täferrot, Ruppertshofen,
Hönig, Birkenlohe, Gschwend. Gemäß der Beschilderung Murrhardt
fahren wir nicht über Vogelhof, Brandhof und Horlachen sondern stattdessen
über Pritschenhof. Die Steigungen tun mir weh.
Pause vor Murrhardt:
9km vor Murrhardt, an einem Bushäuschen gibt es eine kurze Pause. 17:42
ist es jetzt, 225 km gefahren. Über Murrhardt, Harbach, Bartenbach, Sulzbach
geht es weiter nach Lautern.
Pause bei Lautern:
Noch 10 Minuten Pause am Bushäuschen vor dem langen Anstieg nach Löwenstein.
Fit sind wir nicht mehr gerade. Über Siebensbach, Spiegelberg, Lautertal,
Buchenbach, Neulautern, Altlautern geht es hinauf nach Löwenstein.
Vorbei am Abzweig:
Michi freut sich so daß er endlich oben ist, daß er den ganzen Berg
hinten hinunterrast, natürlich vorbei am Abzweig nach Unterheinriet, Untergruppenbach.
Was nun? Ihn zurückholen und dann den Berg wieder hinauf? Bestimmt nicht
! Also hinterher. So fahren wir also den Umweg über Weinsberg. Rechts an
der Strecke stehen Streckenposten für das morgige Seniorenrennen. Wir schauen
wohl ziemlich abgekämpft aus. Wie anders ist zu erklären, daß
sie uns anbieten uns mit dem Auto nach Heilbronn mitzunehmen.
Wir sind am Ziel:
So weit kann das doch nicht mehr sein. Am Wartberg vorbei kommen wir in die
Stadt, gerade noch bevor es dunkel wird. 20:25 klingeln wir an Tante Margots
Gartentüre in der Charlottenstraße. In 11 ½ Stunden Fahrzeit haben
wir 278 km zurückgelegt mit einem Schnitt von immerhin noch 24.1km/h. Die
Räder kommen in die Garage, etwas mühsam die Treppen hinauf. Tee gibt
es, Butterbrezen, Suppe mit Knöpfchen. Als Nachtisch Erdbeeren und Kuchen.
Ab ins Bad, den ganzen Schweiß herunterspülen. Im Fernsehen läuft
gerade die Fußball-WM.
Der 2. Tag:
Am nächsten Tag ist Sonntag, Frühstück um 9:00. Welch tolle Sachen
hat Tante für uns eingekauft: Hefezopf, Vollkorntoast, dazu Eier. Die schmerzenden
Knie werden mit Salbe eingerieben. Langsam wird es wieder.
Ins Salzbergwerk:
Um 11:00 brechen wir auf zur Besichtigung des Salzbergwerk in Kochendorf. Toll
was es unter Tage alles in Salz gebaut gibt. Ein richtiger Erholungstag ist
das heute. Nachmittags wird das Gepäck etwas erleichtert. Die Schuhe, lange
Hose und das Hemd brauchen wir für die Weiterfahrt nach Wiesbaden nicht,
da ja unterwegs nicht übernachtet werden soll.
Der 3. Tag:
Heute geht es weiter nach Wiesbaden. Um 5:55 sitzen wir zusammen beim Frühstück.
Margot hat uns noch etwas Marschverpflegung besorgt. So bekommt jeder 2 Bananen
und 3 Müsliriegel. Das Röhrchen mit den Vitamintabletten nehmen wir
mit für unterwegs.
Radweg am Neckar:
Kurz vor 7 schwingen wir uns auf die Räder. Die Südstraße über
den Neckar, dann den Radweg am Neckar entlang bis Neckargartach. Bei Neckarau
verläuft der Radweg in einem Bogen bis Obereisesheim. Plötzlich versperren
ein Lastwagen und ein Kran den Weg. In Obereisesheim verfahren wir uns ein wenig.
Am Ortsende suchen wir links den Alb-Neckar-Weg. Besonders gut beschildert ist
er nicht gerade. Ohne genaue Karte kommen wir hier schlecht weiter.
Panne auf dem Alb-Neckar-Weg:
Lange hat er gehalten, mein 25mm breiter „Invulnerable“-Hinterreifen. Bei km
11.8 ist es passiert. Ein durchgefahrener Glasscherben im Hinterreifen, durch
den Stahlmantel. 10 Minuten später geht es weiter, den Weg in den Wald.
Verfahren auf der Schotterpiste:
Dann Schotter. Und nun? Wieder zurück ! Den Abzweig davor. Und wieder
Schotter. Am Parkplatz vorbei. Der Boden ist feucht, kleine Steinchen kleben
am Reifen fest. Nach 100 Metern Schotter haben wir wieder Asphalt unter den
Rädern. Über eine schöne Strecke geht es weiter bis in die Altstadt
vom Wimpfen.
Wimpfen:
Die Kopfsteinpflasterstrecke hoch zum Turm. Den Abzeig heraus haben wir verpaßt.
Also fahren wir einen kleinen Umweg. Ein schönes Städtchen dieses
Wimpfen.
Sturz hinter Hohenstadt:
Munter triebeln wir dahin. Hinter Hohenstadt gibt es eine kurvenreiche Strecke.
Genau da meint ein Lastwagen uns überholen zu müssen. Ob das gutgeht? Hinten hat er noch einen Anhänger dran. Ganz schon eng wird das. Der
Anhänger schwenkt hinten aus, Markus fährt immer weiter an den Seitenstreifen.
Dann passiert es. Sturz ! Was nun? Bloß nicht unter die Räder kommen.
Michi hinter mir rollt sich rechts in die Wiese ab. Ich bremse und brettere
noch über Markus Fahrradrahmen. Wir haben noch einmal Glück gehabt.
Es ist fast nichts passiert. Bei mir hat sich nur der Lenker verdreht und die
Handschuhe sind aufgerieben. Am Fuß ist der Strumpf beschädigt. Michi
wischt sich die Grashalme ab. Bei Markus ist die Hose zerrissen. Es hätte
schlimmer kommen können. Bald sind die Knochen wieder sortiert. Im nächsten
Ort Zimmerhof steht der Lastwagen harmlos rechts am Straßenrand. Ob er
wenigstens gemerkt hat was für einen Blödsinn er da angerichtet hat?
Bananenpause:
Über Siegelsbach kommen wir nach Hüffenhardt. Erst einmal eine Banane
essen. Langsam sind wir heute. Der Tacho zeigt nur einen Schnitt von 18.5 an.
Knieschmerzen:
Da sind die Knieschmerzen wieder. Hinter Asbach stelle ich vorsichtshalber einmal
den Sattel höher. Viel besser wird es dadurch aber nicht. Daudenzell, Aglasterhausen,
Unterschwarzach, Oberschwarzach, Schwanheim. An den Steigungen hört man
Michi schon von weitem, so rasselt seine Kette. Seine High-Tech-Schaltung mit
der einen Scheibe mehr scheint empfindlicher als unsere einfache zu sein.
Gefälle bis Hirschhorn:
Hinter Schönbrunn geht es eine lange Gefällestrecke hinunter bis Hirschhorn.
Der Himmel ist bedeckt. 10:16 zeigt die Uhr, 57 km sind zurückgelegt. Der
Schnitt ist auf 21.1km/h gestiegen. Wie kommen wir unten am besten weiter?
Außen über die Umgehung oder mitten durch die Altstadt? Innen durch
ist der kürzere Weg. Langsam steigt die Strecke wieder an. Eine hübsche
Strecke mitten durch den schönen Odenwald. Langenthal, Heddesbach, Schönmattenwag.
Pause an der Quelle:
Rechts am Parkplatz legen wir eine Pause ein. Auch eine Quelle gibt es hier.
Eine gute Möglichkeit also die Wunden auszuwaschen und neue Salbe draufzuschmieren.
Die Knie gehen mittlerweile wieder. Nach 25 Minuten geht es weiter.
Abenteuerlicher Abzweig:
Bei Straßburg fahren wir den schmalen Weg links hinunter. Es folgt eine
wilde Strecke bis Seckenrain. Schmal und steil ist der Weg, leider ohne jegliche
Beschilderung. Den korrekten Weg nach Siedelsbrunn finden wir jedenfalls nicht.
Also geht es hinunter nach Wald-Michelbach und dann wieder hinauf bis Kreidach.
Bei Weiher geht es immer leicht bergab. Über Mörlenbach nach Bonsweiher.
Beim Abzweig nach Erbach liegt der steile Anstieg bis Juhöhe hinter uns.
12:40 ist es jetzt, rund 97km mit Schnitt 21.7km/h.
Hinunter nach Heppenheim:
Erstmal geht es 6 km abwärts bis hinunter Heppenheim. Michi kauft ein paar
neue Müsliriegel und eine Kontaktlinsenausstattung in der Apotheke. Über
Einhausen nach Großhausen. Flott geht es weiter nach Groß-Rohrheim.
Über den Rhein:
Die Strecke über Hamm erweist sich als sinnlos, da es dort keine Möglichkeit
gibt über den Rhein zu kommen. In der Karte sieht es zwar so aus als ob
es gehen müßte, aber was hilft es, wenn es nicht so ist. Also ändern
wir die Route in Richtung Gernsheim. 14:30 stehen wir an der Fähre. Nach
123 km beträgt der Schnitt nun immerhin 22.5km/h.
Seltsamer Radweg:
Weiter geht es nach Eich. Die Strecke ist gut ausgebaut, der „Radweg“ rechts
neben der Straße hört jedoch nach wenigen 100m auf und mündet
in einen steinigen Feldweg. Das ist nichts für unsere Renner. Also die
Räder wieder auf die Straße hochtragen.
Mofafahrer überholt:
Über Gimbsheim, Guntersblum, Ludwigshöhe, Dienheim erreichen wir Oppenheim.
Vorhin haben wir einen Mofafahrer überholt, mitten an der Steigung. War
das ein Spaß !
Viel Verkehr am Rhein:
Die Straße hier am Rhein entlang ist kein besonderes Vergnügen. Viel
Verkehr und jede Menge Lastwagen. Schade, daß es keine Strecke unmittelbar
am Wasser entlang gibt für die Radler. Nierstein, Nackenheim, Bodenheim.
Kurz wagen wir einen Abstecher nach Laubenheim in der Hoffnung auf eine weniger
stark befahrene Strecke. Weisenau, Amöneburg. Bald sind wir da. Erst einmal
über die Rheinbrücke nach Mainz-Kastel. Dann Richtung Wiesbaden-Biebrich.
Am Ziel in Wiesbaden:
16:55 haben wir es geschafft, nur 500 Meter vor unserem Ziel stehen wir bei
der Gärtnerei und kaufen ein paar Moosröschen. Immerhin 172 km waren
es von Heilbronn aus. 7 ½ Stunden saßen wir im Sattel. Der Schnitt wurde
zuletzt immer besser. 23.0 km/h zeigt der Tachometer. Nur noch die paar Meter
in die Breitenbachstraße 57. Heinz und Gisela freuen sich uns zu sehen.
Die Räder stellen wir in der Orangerie unter. Zunächst gibt es einen
Pfefferminztee, abends Gulasch. Im Fernsehen läuft gerade die Fußball-WM.
Der 4. Tag:
Da Heinz noch im Berufsleben steht müssen wir uns heute selbst ein wenig
beschäftigen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg für
einen Stadtrundgang durch die Altstadt. Da ist auch der schöne Erker an
dem Heinz als Architekt mitgewirkt hat. Nach unserem Einkauf für das morgige
Nudelessen besichtigen wir noch Theater und Spielbank. Mittags essen wir eine
Pizza beim Italiener. Michi gefällt unterwegs noch ein „Schiffchen“ vom
Türken.
Kein Radladen:
Leider gibt es wohl keinen richtigen Radladen in Wiesbaden. Da müssen wir
wohl zu Brügelmann nach Frankfurt. Am Bahnhof suchen wir uns die Philip-Reis-Straße
aus der Karte. Mit der S1 müßten wir hinkommen. Morgens fährt
sie um 8:57. Auf dem Rückweg könnten wir noch beim Opelwerk in Rüsselsheim
vorbeischauen.
Einwegrasur:
Nachmittags kann ich Michis neue Einwegrasierer testen. Gar nicht so übel
! Allerdings wird auch einiges abgeraspelt, was der Elektrorasierer stehen gelassen
hätte. Für mich ist es recht gewöhnungsbedürftig.
Abendessen im Rheingau:
Zum Abendessen lädt uns Heinz in den Rheingau ein. Mit seinem alten Volvo
fahren wir hin. Zunächst besichtigen wir Kapelle und das Schloß Johannisberg.
Nach dem Abendspaziergang geht es in eine edlere Gaststätte. Zur Feier
des Tages gibt es sogar Wein.
5. Tag:
Wieso muß es heute regnen? Nach dem Frühstück nehmen wir die
S1 nach Frankfurt. Über Mainz-Kastel und Frankfurt-Höchst erreichen
wir den Frankfurter Hauptbahnhof. Dummerweise lasse ich Giselas Schirm am Fensterbrett
liegen. Mit der S6 geht es weiter zum Westbahnhof.
Zu Brügelmann:
Der Weg zu Brügelmann ist einfach zu finden, ist doch die Station massiv
mit seiner Werbung beklebt. Immer noch regnet es. Den Laden haben wir uns etwas
anders vorgestellt. Es ist gar kein richtiges Ladengeschäft. Wenn man etwas
ansehen möchte so muß der Verkäufer alles einzeln nach der Katalognummer
aus dem Lager holen. Bei den Rahmen ist es einfacher. Da hängen einige
nebeneinander. Was sollen wir mitnehmen? Auf jeden Fall ein Lenkerband, eine
Kettenstrebenauflage und natürlich die günstigen Radhandschuhe. Rennflickzeug
hat er gerade nicht, nur eines für Mountainbikes. Was sollen wir denn damit? Michi kauft eine herabgesetzte Rudi-Projekt-Brille. Zum Bahnhof ist es ein
ziemlicher Fußmarsch. So sehen wir den neuen Messeturm von außen.
Auch einen neuen Schirm kann ich erwerben. Vorbei an den Hochhäusern, die
Einkaufsstraße=Kaiserstraße entlang. Eine richtige Fußgängerzone
gibt es wohl nicht? Überall quälen sich die Autos rum.
Essen beim Chinesen:
Am Bahnhof hat kein WC auf. Zu essen gibt es etwas vom Chinesen in der Seitenstraße
(Münchner Str.). Die Fastenspeise tibetischer Priester wird für 5.-
DM angeboten. Noch eine Schachtel Pralinen für Tante Gisela, ein paar Müsliriegel
und Bananen. Gerne auch die Tüte Popkorn vom Bahnhof. Es gibt also doch
eine Toilette, allerdings mit Schranke für -.50 DM. Zurück geht es
mit der S14 über Rüsselsheim. 6.90 kostet die Karte in der Talzeit.
Für Opel haben wir jetzt keine Zeit mehr, der Zug hält an jeder Haltestelle.
Noch ein Kebab auf dem Rückweg. Leider ist es ziemlich fett. Michi kauft
noch eine Portion Knoblauchsauce.
Bessere Strecke nachhause:
Gisela zeigt uns auf der Karte noch eine bessere Strecke heimwärts. Gemeinsam
fahren wir die ersten Kilometer mit dem Auto ab. Noch ein paar Süßkirschen
vom Baum pflücken für einen Kuchen. Mühsam pule ich die ganzen
Kerne heraus.
Michis Nudeln:
Es ist soweit. Chefkoch Michi arbeitet an den Nudeln, wo er gestern die Zutaten
dafür gekauft hat. Die Sauce wird zubereitet aus frischen Tomaten und dem
Spargel. Dazu kommt von Heinz der Gulaschrest und der teure Putenschinken. Das
Kochen der Nudeln ist noch der kleinste Aufwand. Markus bäckt noch einen
Kuchen aus den geteilten und entkernten Kirschen. Ziemlich spät wird es
mit dem Abendessen, da die Sauce so lange dauert. Im Fernsehen läuft wieder
einmal die Fußball-WM.
Einen Tag länger:
Nachdem Heinz morgen frei hat und noch gegrillt werden soll bleiben wir nun
doch einen Tag länger. So bleibt noch Zeit mein Loch im Schlauch von der
Herfahrt wieder zu flicken.
Der 6. Tag:
Fronleichnam ist heute, der Himmel leider bedeckt und trübe, ideale Voraussetzungen
für das Bocciaspiel.
Boccia:
Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist Heinz nicht mehr zu schlagen.
Kaum einer bringt die schweren Kugeln so nahe heran oder donnert die feindlichen
Kugeln so elegant weg, wenn es denn sein muß.
Krockett:
Krockett haben wir auch schon lange nicht mehr gespielt. Schnell ist ein wilder
Parcours um die Vogeltränke aufgebaut. Erhebliche Probleme gibt es mit
der abschüssigen Wiese. Oft rollen die Kugeln nicht gerade da hin wo sie
eigentlich hinsollen.
Grillen:
Nun ist Grillen angesagt. Heinz hat ihn noch, seinen alten Grill von früher.
Erst einmal Feuer machen und eine Menge Glut erzeugen. Speziell für uns
hat Heinz eine spezielle Alugrillform beschafft, damit das Fett von den Würstchen
nicht so leicht in die Glut tropfen kann. Ewig dauert es damit bis die Würstchen
endlich gar sind. Die Kartoffeln in der Alufolie hätten soviel Hitze gar
nicht gebraucht. Natürlich hat Heinz wieder eine seiner tollen Saucen zubereitet.
Als Nachtisch gibt es Markus Kirschkuchen von gestern. Heinz steuert einen Espresso
bei. Im Gästezimmer rasch noch ein schadhaftes Lampenkabel ausgewechselt.
Vorbereitungen zur Abreise:
Langsam wird es Zeit an morgen zu denken. Während Heinz mit Begeisterung
die Fußball-WM verfolgt packen wir die Sachen. Auch die neue Streckenführung
ist noch in die Karte einzutragen. Das große Paket mit unseren Ausgehkleidern
und den Schuhen schicken Heinz und Gisela wieder nach München zurück.
Der 7. Tag:
Freitag ist es. 10 Minuten vor 5 klingelt der Wecker. Nach dem Frühstück
füllen wir unsere Wasserflaschen. Mit Mineralwasser, da Gisela dem Wiesbadener
Trinkwasser aus dem Rhein nicht so recht traut. Heinz verabschiedet uns noch.
6:15 steigen wir auf die Räder. Das Wetter schaut nicht gerade verlockend
aus, der Himmel bedeckt. Solange es wenigstens nicht regnet !
Die gelernte Strecke:
Die Breitenbachstraße hinauf, dann links in den Theodor-Heuß-Ring,
abwärts bis zum nächsten Abzweig rechts. Weiter auf dem Radweg Richtung
Mainz-Amöneburg. Rechts unter der Brücke durch, dann links Richtung
Mainz-Kastel. Vorbei an Rosys Imbiß und an BMW, die Brücke hoch links
in den Kreisel. Abbiegen in Richtung Groß-Gerau, vorbei an Linde. Hinter
dem Radladen links rechts über den Main. Bei der Bushaltestelle in Kostheim
rechts in die Pestalozzistraße. Glücklicherweise sind wir die Strecke
vorher abgefahren, sonst hätten wir es wohl kaum so problemlos gefunden.
Gustavsburg, Ginsheim-Gustavsburg, Ginsheim, Bauschheim, Astheim. Bei Trebur
nehmen wir den Radweg. Geinsheim, Leeheim, Erfelden. Wir wollen nicht nach Goddelau.
Regen:
Schon fängt es an zu tröpfeln. Stockstadt, Biebesheim. Immer intensiver
tröpfelt es, langsam wird die Straße feucht. Gernsheim. Bei Großrohrheim
fängt es ordentlich an zu regnen. Auf der Straße sammelt sich das
Wasser. Der Hinterreifen spritzt am zu hoch montierten Schutzblech vorbei. Windschattenfahren
ist nicht mehr möglich. Es wird eine nasse Fahrt durch den Wald. Trotz
des Schutzblechs werden die Schuhe langsam naß.
Regenponchos:
8:35 erreichen wir Einhausen. 61 km haben wir hinter uns. Mit 28.3 km/h sind
wir recht flott unterwegs. Prima könnte es laufen, wenn es nicht so schrecklich
regnen würde. Zeit wird es die gelben Regenponchos überzuziehen. Die
Kapuze ist eher unbrauchbar da man fast nicht mehr sieht wo man hinfährt.
Der gelbe Poncho ist eine richtige Windbremse. Man nimmt ihn nur, wenn man unbedingt
muß. Heute geht es wohl nicht anders. Bei der Weiterfahrt nehmen wir lieber
den Radweg. Dummerweise biegt er an einer Kreuzung einfach nach links ab. Es
hilft nichts. Im Regen müssen wir zurück auf die Straße. Hinter
Heppenheim gibt es weniger Autoverkehr.
Harte Steigung:
Es ist eine harte Steigung bis Juhöhe hinauf. Michi reißt irgendwann
ab. 9:25 hat der gröbste Regen aufgehört, es tröpfelt nur noch.
Also runter mit der Regenkleidung. Im Fahrtwind trocknet das Tricot besser.
77 km, der Schnitt zeigt 26.0 km/h an.
Fehlinterpretierte Karte:
Über Bonsweiher, Mörlenbach und Weiher. Dummerweise biegen wir rechts
ab nach Vöckelsbach. Eigentlich wäre Mackenheim richtig gewesen. Auf
einmal geht es nicht mehr weiter. Nur noch Sackgassen.
Der große Umweg:
Also hinauf, dem Schild folgen nach Abtsteinach. Steil geht der Asphaltweg hinauf
zum Tennisplatz. Es folgen Wanderwege mit Schotter. Eine ganze Weile folgen
wir Wanderweg Nr. 2 bis die Strecke urplötzlich wieder am Ausgangpunkt
endet. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Den ganzen Weg wieder hinunter,
zurück nach Weiher wollen wir aber nun auch nicht. Also den Weg an den
Tennisplätzen wieder hinunter. Markus rutscht auf der schmierigen Strecke
mit dem Vorderrad weg. Hundert Meter weiter unten war doch der Abzweig.
Über die Sackgasse:
Also probieren wir es über die Sackgasse „Mackenheimer Weg“. Zunächst
geht es einen steilen Asphaltweg hinauf. Besser nicht absteigen, da man sonst
nur noch schieben kann. Es folgen 500m Wiese bevor es einen Asphaltweg bergab
geht. Pferde stehen oben auf der Weide. Auf der Straße rechts ab geht
es hinauf nach Oberabtsteinach. Rechts Richtung Heiligkreuzsteinach. Hurra,
es geht bergab. Am Ortsende geht es links den Berg hinauf Richtung Heddesbach.
Natürlich ist der falsche Gang drin. Bloß wie komme ich jetzt vorne
auf das kleine Blatt, so mitten an der Steigung?
Anstieg hinter Hirschhorn:
Hinter Langenthal kommt Hirschhorn. Dahinter der 6km lange Anstieg. Michi fällt
zurück. Seine Kette macht komische Geräusche auf seinem 8-fach-Zahnkranz.
Kein Wunder nach all dem Regen und Straßendreck, der sich in der Kette
angesammelt hat. Unsere einfachen 6-fach Kränze sind da weniger empfindlich.
12:45 erreichen wir Moosbrunn. Endlich oben ! 126 km liegen hinter uns. Der
Abstecher hat uns Zeit gekostet. Nur noch 23.1 das Stundenmittel. Über
Schönbrunn, Schwanheim, Oberschwarzach erreichen wir Unterschwarzach.
Kein Öl:
Meine Trinkflasche wackelt. Wohl die Schrauben locker. Michi braucht Öl
für die Kette. Vorhin die Supermärkte hatten keines und auch hier
die Tankstelle nicht. Kaum zu glauben ! Dann essen wir halt ein Stück Schokolade.
Doch Öl:
In Aglasterhausen gibt es endlich was wir suchen. Im Supermarkt. Probleme macht
allerdings der Ausgießer, den man zu weit abschneiden muß damit
etwas herauskommt. Dann läßt er sich aber nicht mehr verschließen.
„Made“ in Germany? Jedenfalls hilft das Öl auf der Kette. Sofort gibt
es keinerlei Geräusche mehr. Weiter geht die Reise. Daudenzell, Asbach,
Hüffenhardt, Siegelsbach, Zimmerhof, Hohenstadt, Wimpfen, Untereisesheim,
Obereisesheim, Neckarau. Hübsch ist die Strecke am Neckar entlang. Neckargartach,
Heilbronn.
Am Ziel:
Endlich sind wir wieder hier. An der Südstraßenbrücke tragen
wir die Räder die Treppe hinauf. 15:20 sind wir wieder bei Margot in der
Charlottenstraße. 179 km mit einem 24er Schnitt. Heißer Tee und
Kuchen weckt die Lebensgeister. Erst einmal die nassen Schuhe und die Socken
aus. Ab in die heiße Badewanne.
Der 8. Tag:
Das Frühstück findet heute etwas später statt. Ab in den Radladen,
zu Eisele. Dringend brauche ich einen neuen Hintermantel und dazu ein neues
Rennflickzeug. Michi kauft neue Handschuhe. Noch ein paar Blumen für Margot.
Gemeinsam bummeln wir durch die Stadt. Im Deutschhof sehen wir die interessante
Multivisionsschau über die Stadt Heilbronn. Vorne ist Vegiday, ein vegetarisches
Restaurant. Wir bekommen einen knackigen Salat. Natürlich kennt Margot
die Geschäftsführerin. Jeder von uns bekommt einen grünen Ansteckbutton.
Eis bei Presutti:
Was wäre ein Heilbronnbesuch ohne das Eis von Presutti? Zumindest ein
kleines Eis muß es sein.
Räder warten:
Kaum zurück ist es an der Zeit die Räder zu warten. Zunächst
wird alles zerlegt, der Reifen gewechselt, der ganze Dreck abgewaschen und das
Schutzblech ummontiert. Bisher war es nicht so toll. Am Reifen schleifen darf
es natürlich auf gar keinen Fall. Dafür ist die Strecke nach München
zu weit. Noch ein wenig Fußball im Fernsehen.
Der 9. Tag:
Michi ist heute 20 Jahre alt geworden. Nach dem Frühstück mit Ei und
Toast packt uns die Tante in ihr Auto. Nach Sinsheim geht es, in das Auto&Technikmuseum.
Bis kurz vor 6 schauen wir einige der vielen Exponate an.
Paket packen:
Zeit wird es das Paket zurück nach München zu packen. Die Lenkertasche
wird umgepackt. Da wir sinnvollerweise mit einer 2-tägigen Rückreise
nach München rechnen müssen die Schuhe und die lange Hose wieder hinein,
also mehr Marschgepäck.
Der 10. Tag:
Das letzte Frühstück in Heilbronn. Das Paket noch fertigmachen, jeder
3 Bananen und 3 Müsliriegel hinten ins Tricot. So geht es die Treppenstufen
hinunter bis zur Garage. Auf die Räder ! 6:40 heißt es Abschied nehmen
von Heilbronn. Ein paar Meter die Charlottenstraße hinauf, dann links.
An der Hauptstraße wieder rechts Richtung Donnbronner Höhe.
Donnbronner Höhe:
Wie oft sind wir früher dort eingekehrt um Linsen zu essen? Geradeaus
weiter auf dem Weg zur Autobahn. Wir fahren drunter durch, Richtung Untergruppenbach.
Bald sind wir da. Die Sonne ist zu sehen, das Wetter sieht gut aus. Stetig bergauf
geht die schattige Strecke.
Pause bei Unterheinriet:
Nach Happenbach folgt Unterheinriet. Zeit für eine kurze Pause. Nur noch
etwa 2km sind es bis Löwenstein. Weg mit den langen Hosen. Am besten umbinden.
Die erste Banane essen. 7:30 ist es. 15 km zurückgelegt, Schnitt 14.9.
Auf nach Löwenstein. Das Wetter wird immer trüber. Jede Menge schwarze
Wolken hinter Löwenstein. Das Schutzblech scheppert und schleift am Reifen.
So ein Mist ! Ich hab´s wohl doch zu nah montiert. Als wir einmal oben ist geht
es rasch hinunter. Richtig Spaß macht das. Altlautern, Neulautern, Spiegelberg,
Siebersbach, Lautern, Sulzbach, Harbach, Murrhardt. So schnell ging das nicht
bei der Herfahrt.
Dem Regen davonradeln:
Ob es das drohende schlechte Wetter ist, was uns ständig so antreibt?
Hier tröpfelt es jedenfalls bereits. Vor uns, da wo wir hinwollen sieht
es heller aus, also nichts wie hin. In Gschwend verfahren wir uns ein wenig.
Es tröpfelt.
Steil hinauf nach Brainkofen:
Birkenlohe, Hönig, Ruppertshofen, Täferrot. Plötzlich geht es
links das steile Stück nach Brainkofen hoch. Zu spät habe ich angefangen
zu schalten. Mit dem 22er Ritzel komm ich fast nicht hoch und das 26er will
nicht drauf. Was bleibt mir anderes übrig als das erste Stück zu schieben.
Vor Brainkofen kommt eine Kreuzung ohne Beschilderung. Dort geht es noch geradeaus.
500m weiter folgt der Ort.
Komplizierte Strecke hinter Iggingen:
Hochsträß, Iggingen. Hier sind wir also wieder. Nur noch den Berg
hinunter und dann nicht ganz links nach Zimmern sondern halb links zur Hirschmühle.
Von dort aus durch Zimmern und den kleinen Weg 1.3km rechts nach Beiswang hinauf.
Vor Beiswang nach rechts auf den schlechteren Asphaltweg. Dann wieder links.
Es hat aufgehört zu regnen, Zeit für eine kurze Pause. 10:22 zeigt
die Uhr, 82 km, Schnitt 24.7. Den schlechten Weg über die vielen Betonplatten
bis kurz vor Buch und weiter bis Heubach.
Steigung bei Heubach:
Hinter Heubach steigt die Strecke an. Zunächst flach, dann mit bis zu 12%.
3km geht es hinauf. Drauf mit dem 26er. Nur jetzt keine Kraft verschwenden.
Das Stück sanft bergab noch bis Bartolomä und über Schafhof.
Dahinter folgt schon Zang. Die Strecke zieht sich ganz schön dahin.
Hinunter nach Heidenheim:
Hinter Zang und noch kurz vor Heidenheim nehmen wir den Abzweig nach links.
Immer schmäler wird die Asphaltstraße. Zunächst sogar noch mit
Mittelstrich. Nach ca. 2km geht es stark bergab hinunter nach Heidenheim-Schnaitheim.
Der Geheimtip:
Ganz unten rechts auf die Hauptstraße und nach ca. 1km dem grünen
Schild nach Radler nach Schnaitheim. Über den Bahnübergang, dann links.
Die erste Straße rechts, dann über das kleine Brückchen. Weiter
nach links auf die Hauptstraße, geradeaus über die Ampel. Dem langsamen
Rechtsbogen der Straße folgen. Nach etwa 2 km die 466 links hinauf Richtung
Nattheim. Unter der Brücke durch und oben rechts Richtung Oggenhausen.
Wenn es gut läuft verfranst man sich nicht. Vorbei an Oggenhausen. Staufen,
Landshausen. Hier sind immer noch die Straßenbauer am Werk. Ein Stück
weit ist Schieben angesagt, mitten über den Kies.
Supermarkt in Bachhagl:
12:15 erreichen wir Bachhagl. 129km bei einem Schnitt von 25.1. Das kann sich
sehen lassen. Die Knie tun wieder weh. Erstmal ein Stück Schokolade essen.
Michi plündert den Supermarkt. Eine Packung Müsliriegel und eine Flasche
Mineralwasser. Oberbechingen, Haunsheim, Veitriedhausen, Lauingen. Die weiten
9 km bis Weisingen. Holzheim, Ellerbach, Fultenbach, Zusamzell. Die Ortsnamen
kenn ich schon fast auswendig. Fast muß ich nicht mehr nachschauen auf
meiner Karte. Um 13:54 ist Welden erreicht. Der Schnitt steigt. 25.7. Wir haben
uns gut eingeradelt. Heute kann uns nichts mehr schocken. Kruichen, Bonstetten.
Nicht nach Rettenbergen:
Bloß nicht wieder die Abkürzung rechts durch den Wald nach Rettenbergen.
Diesmal nehmen wir lieber den Weg geradeaus über Holzhausen und Batzenhofen.
Da ist zwar eine Steigung drin, aber die ist allemal besser als der endlose
Schottertrip.
Flott durch Augsburg:
Augsburg naht. Hirblingen, Lechfeldmühle (Gersthofen). Markus sucht nach
einem WC. Jetzt immer nach der Beschilderung „Hochzoll“ fahren. In Augsburg-Lechhausen
ist Friedberg gut ausgeschildert. Den Abzweig nach links nicht verpassen.
Rasch durch Friedberg:
In Friedberg den Berg hoch und immer der Hauptstraße nach. An der Kreuzung
mit der Ampel und dem Pflaster rechts abbiegen. Über die Bahnlinie und
links. Nach 500m rechts. Rederzhausen, Otmaring. Wieder eine hügelige Strecke.
Bachern, Ried.
Pause bei Ried:
Am Ortsende legen wir eine kurze Pause ein. Rechts ist ein Grundstück mit
einer gestaffelten Mauer und dem Wasserhahn rechts unter dem Küchenfenster.
Die Beine gehen wieder etwas besser. 16:06 ist es jetzt. 214km, der Schnitt
25.9. Wieder haben wir einen Zahn zugelegt.
Michi hat genug:
Tegernbach, Mittelstetten, Hattenhofen, Mammendorf. Michi hat genug. Er will
mit der S-Bahn heim. Von Nannhofen aus. So viele Kilometer sind es jetzt ja
gar nicht mehr. Und was ist, wenn er sein Rad nicht mitnehmen darf? Womöglich
40 min auf die S-Bahn warten muß? Es ist noch früh genug am Tag
um gut auch mit dem Rad heimzukommen. Damit ist er erstmal überredet weiter
mitzufahren. Flott geht es weiter bis nach Fürstenfeldbruck.
Stau in Fürstenfeldbruck:
Da sind wir nun, mitten im Feierabendverkehr. Ein langer Verkehrsstau an der
Ampel, die den Verkehr auf der einspurigen Straße regelt. Leicht bergab
geht die Strecke. Glücklicherweise haben wir Rückenwind. Puchheim,
Germering. Der viele Verkehr nervt. So ist es einfach unangenehm zu fahren.
Krailling, Planegg, Neuried. Schier endlos zieht sich die Strecke hin. Forstenried,
Solln.
Pflaumen in Solln:
Uff ! Ein Ende ist abzusehen. Am Obststand gibt es 15 Pflaumen. Auf der Bank
kurz vor der Großhesseloher Brücke essen wir sie nun. 18:08, 264km,
Schnitt 26.4. Wieso wird nur der Schnitt immer besser? Sind wir heute gar nicht
zu stoppen? Oder haben wir zu viel Rückenwind?
Über die Großhesseloher Brücke:
Über die Großhesseloher Brücke, die Holzkirchnerstraße
entlang, links die Rabenkopfstraße zur Wendeplatte der Straßenbahn
in Großhesselohe. Das Stück noch durch den Perlacher Forst und wir
sind da.
Am Ziel:
Nach 271km haben wir unser Ziel in Taufkirchen erreicht. Die Tour ist zuende.
18:50 ist es jetzt. 10:20 saßen wir im Sattel. Der Schnitt ist geringfügig
auf 26.2km/h gefallen. Eine grandiose Leistung !
Fazit:
Es war schon eine tolle Tour. 900 km in 4 Fahrtagen. Viele Steigungen und Gefällestrecken.
Regen und die Regenponchos. Ein paar Abenteuer. Sei es der Sturz oder die wilden
Umwege. An nur einem Tag von München nach Heilbronn und wieder nur ein
Tag zurück. Aber mit welchem Schnitt ! Glück hatten wir schon auch.
Das Wetter hätte deutlich unangenehmer sein können. Bei bulliger Sommerhitze
hätten wir es vermutlich nicht so leicht gehabt. Nur etwa 120.- DM hatten
wir ausgegeben für Bananen, Schokolade, Müsliriegel, Vitamintabletten,
Nudeln, Spargel, Schinken, Pflaumen, Eintrittskarten, Blumen, Postkarten, Fahrkarten,
Fahrradmantel, Flickzeug, Radhandschuhe, Lenkerband und Öl für die
ganzen 10 Tage. Gerne erinnere ich mich zurück an die „wilden“ Wettrennen,
die wir uns an manchem Berg geliefert haben. An die Ausdauer, die nötig
war die vielen Kilometer an einem Tag zu bewältigen. An Michis Einwegrasierer
und meine blutige Backe. An die gelben Regenponchos. An Michis quietschende
Kette. An Tante Margots Frühstückstisch. An Boccia und Krocket in
Wiesbaden.
Leider fuhr Michi später lieber Motorrad, als sich noch einmal auf eine
solche Tour einzulassen. (aufgeschrieben 1.5.2000 aus den Unterlagen von 1990
Matthias Weisser)